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MAGALOGE LUMAS 1-2013

ZHANG WANG / SPIRITS

Bereits in seiner Kindheit fühlte sich der chinesische Fotograf Zhang Wang von den Buddhistischen Mönchen und Tempeln in seinem Heimatort Tiantai am Ostchinesischen Meer sehr angezogen. Es war eine mysteriöse und zugleich aufregende andere Welt, die den Jungen in den Bann zog. Nach seinem Kunststudium und seiner Vertiefung der Fotografie, beschloss er, an den mysteriösen Ort seiner Kindheit zurückzukehren. Neun lange Jahre blieb er bei den Mönchen, um mit ihnen zu leben und ihre Religion, Bräuche und Künste zu studieren. Im ruhigen Fluss ihres überaus streng geregelten Lebensalltages schärfte er seine Sinne und drang immer tiefer in die spirituelle Weltanschauung der Buddhisten ein. Schließlich wurde er selbst ein Teil ihrer Welt und ihres Alltages, eine Art Mönch mit der Kamera.

Zhang Wangs Bilder erzählen von einem Ort der außerordentlichen Ruhe, Harmonie und zwischenmenschlichen Eintracht. Sie bewegen, weil sie den Menschen und die Natur in einem ausbalancierten Verhältnis zeigen. Die Harmonien der Formen und Farben, die ein überaus ausgewogenes kompositorisches Feingefühl erkennen lassen, werden förmlich nachempfindbar.

Die Aufnahmen wirken außerordentlich leicht und natürlich. Ein im wallenden Morgennebel atmender Herbstwald, ein in Kaskaden herabfließender Bergfluss - jedes Naturelement wirkt auf geheimnisvolle Weise beseelt. Zugleich bieten die Aufnahmen einen Eindruck von den Mönchen in ihrer direkten Beziehung zur umgebenden Natur. So sind die Bilder sowohl dokumentarischer Natur, als auch ein seltener Ausdruck intensiv erlebter Partizipation und Erfahrung. Vielleicht, wenn es erlaubt ist, dies für einen Außenstehenden zu sagen, blicken wir bei diesen Bilder nicht auf eine Welt, sondern unmittelbar in eine Welt, und zwar durch die Augen eines Fotografen, der die Kamera zwar nicht gegen das rote Gewand getauscht hat, aber im Herzen auch ein buddhistischer Mönch ist.

[ART-TEXT / LUMAS / MEDIEN MAGALOG / FRÜHJAHR 2013]