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MAGALOGE LUMAS 1-2013

MARINO PARISOTTO / AFFEKTE UND ARTEFAKTE

Marino Parisottos klassische Schwarzweiß-Fotografien sind Verführungen der reinsten Art. Sie werfen sich lasziv in Pose und verlocken den Betrachter mit fein austarierten Beinlängen und gezielten Augenaufschlägen.

Ihr Aphrodisiakum besteht aus sinnlichen Schlüsselreizen und raffiniert versteckten Kunstzitaten. Mal inszeniert er seine Modelle nach antiken Vorbildern und betont ein formvollendetes Figurenideal. Ein anderes Mal kleidet er eine Szene phantastisch aus und beflügelt damit gezielt Wunschvorstellungen, die sich bis in einen Vorstellungsrausch hinein steigern können.

Sein Frauenbild changiert je nach Szene und Dekor. Mal verweilt ein Engel auf den Dächer von Paris, mal verlockt ein Vamp in schwarz satinierten Verführungsstoffen. Absichtsvoll kreiert Parisotto dabei wohl dosierte Grenzüberschreitungen, die den Betrachter und dessen Sehgewohnheiten auf die Probe stellen.

Nur eines darf man seinen Werken nicht unterstellen, sie wollten die Wirklichkeit so abbilden, wie sie ist. Es geht ihnen immer um den Traum, um die Schönheit und die Inszenierung einer erotisch aufgeladenen Stimmung. Bei Parisotto weiß man im Grunde nie, was stärker ist: Der sinnliche Affekt, den er heraufzubeschwören versteht. Oder die genrespezifischen Stilmittel, die er dabei gekonnt einsetzt.

[ART-TEXT / LUMAS / MEDIEN MAGALOG / FRÜHJAHR 2013]