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CHRISTOPHER WOODCOCK / PUBLICLY PRIVATE

Publicly Private nennt Christopher Woodcock seine Bilderserie, die in New York, Boston und San Fransisco entstanden ist. Mit diesem Titel möchte der amerikanische Fotograf auf die sich nicht auf den ersten Blick offenbarende Wirklichkeit hinter der Architekturfassade einer Großstadt hinweisen. Woodcock zitiert hierzu den italienischen Autor Italo Calvino: "Städte wie Träume sind aus Wünschen und Ängsten gebaut, auch wenn der Faden ihrer Rede geheim ist, ihre Regeln absurd, ihre Perspektiven trügerisch sind und ein jedes Ding ein anderes verbirgt."

Woodcocks Aufnahmen wirken so beeindruckend kompositorisch, dass man geneigt ist, sie für raffinierte Fotomontagen zu halten, was sie nicht sind. Der Betrachter fällt keiner optischen Täuschung anheim, sondern erliegt vielmehr einer überaus komplexen Wirklichkeit, die das moderne Leben bestimmt. Durch den Einsatz einer Großbildkamera und eines den Raum gleichermaßen scharf abbildenden und komprimierenden Objektivs wird dem Betrachter diese verwirrende urbane Vielfältigkeit im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen geführt.

Woodcock wählt derart überraschende Motivstandpunkte zwischen hoch aufragenden Wohn- und Bürotürmen, dass Vorder- und Hintergrund oft in eins fallen und der Horizont aufgelöst erscheint. Dieses Aufbrechen der Perspektive, das einem allgemeinen Orientierungsverlust im Raum gleich kommt, geht einher mit einer optischen Infragestellung der privaten und öffentlichen Sphären. Die Architektur wird zur visuellen Metapher von individuellen Befindlichkeiten und gesellschaftlichen Strukturen.

Um die an sich schon überwältigende Wirkung dieser verschachtelten, gestaffelten und wie ineinander geschobenen Stadtkulissen zu verstärken, sind sie in ein irreal anmutendes Licht getaucht. Die intensive Farbgebung entsteht durch Langzeitbelichtung in der Nacht. So offenbart sich dem Betrachter in Woodcocks Bildern eine reale Welt in ihrer künstlichen Verfassung und wird dabei zum Fenster auf die Gegenwart.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / HERBST 2012]