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SABINE WILD / HONGKONG SERIES

Hongkong, der duftende Hafen. Bis in die 90er Jahre gehörte das gewaltige Handelszentrum an der Mündung des Perlflusses noch zur britischen Krone, dann wurde es an China zurückgegeben. Nach wie vor genießt Hongkong Sonderrechte im wirtschaftlich aufstrebenden China. Die Formel lautet: Ein Land, zwei Systeme.

Gemessen an der Skyline des Stadtteils "Central" im Norden der Insel sowie der geographischen Lage - an einer Flussmündung gelegen, direkt am Meer - braucht Hongkong den Vergleich mit New York wahrlich nicht zu scheuen. Dies beweisen auch die Bildwerke von Sabine Wild, die mit ihrem untrüglichen Gespür für dynamisch zu verfremdende Stadtsilhouetten der Metropole am Südchineschen Meer ihren flirrenden Schatten abgenommen hat.

Wie immer dominieren die signifikanten Längs- und Horizontalschraffuren ihres unverwechselbaren Bildstils, mit denen sie Bildraum und Architekturen gleichermaßen durchwirkt. In dem Bild Hong Kong Projection III scheint der Dunst der Berge rechts im Hintergrund regelrecht den Hang herunter zu rutschen, um an der Rückseite der hoch aufragenden Bürotürme am Flussufer wieder in die lichte Höhe hinauf getrieben zu werden. Ein dynamischer Eindruck, der nicht zuletzt auf den bewusst eingesetzten digitalen Verfremdungseffekten beruht, die bei Sabine Wild nie zum Selbstzweck geschehen, sondern stets einer übergeordneten Bildidee verhaftet bleiben.

So wird auch in diesem Motiv das von Natur aus statische Urbanitätsmotiv regelrecht in einen linksdrehenden Wirbel aus digitalen Verwischungen, malerisch anmutenden Abstraktionen und fotogenen Detaildurchzeichnungen gezogen, weshalb wir die oben erwähnte Formel: "Ein Land, zwei Systeme" durchaus in Wildscher Analogie in: "Eine Stadt, mindestens zwei Aggregatzustände" übersetzen könnten. Hier das aufragende, filigrane Antlitz der modernen Architekturen am Ufer des Flusses. Dort die im wahrsten Sinne des Wortes in den Fluss der Zeit versetzte Stadt. Beides überdacht von einem milchigen Dunst aus Offenheit und unbestimmter Weite.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / HERBST 2012]