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SIGMAR POLKE

Seine Kunst war selten ironiefrei, seine Ironie nie künstlich. Er verglich das, was "immer wieder am Künstler diskutiert wird: Innovationsfreude, Kreativität, Spontaneität, Produktivität, das Schaffen ganz aus sich heraus" schon mal mit einer Kartoffel, "die im dunklen Keller liegend, ganz spontan zu keimen beginnt und in schier unerschöpflicher Kreativität Keim um Keim innoviert ...!"
Sigmar Polke, einer der bedeutendsten deutschen Nachkriegskünstler, mischte die nationale und internationale Kunstwelt gehörig auf. Kein noch so alltägliches Gebrauchsmaterial war ihm zuwider, keine Mischtechnik zu profan. Er malte, klebte, druckte, siebte, lithographierte und zeichnete auf Geschirrhandtüchern genauso gut wie auf feinstem Zeichenpapier und dickstem Karton. Bei ihm heiligten die Mittel den Zweck, nicht umgekehrt. So konnte ihm schon mal von "höheren Mächten" befohlen werden, ein schwarzes Dreieck in die rechte obere Ecke des Bildes zu malen und diesen Umstand explizit im Titel des Bildes anzugeben.
Derart treffsicher war sein Bilderwitz, dass der Geniekult schlichtweg an ihm abperlte. Mit "Lila Geschenk" und "Bargeld lacht", zwei Arbeiten in Mischtechnik aus dem Jahr 2002, ist der große Alchemist und radikale Bild- und Materialverwandler, der mit Gerhard Richter einst in Düsseldorf studierte und den Kritischen Realismus begründete, nun auch bei Lumas vertreten.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / HERBST 2012]