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JENNY OKUN / ARCHITEKTONISCHE PERSPEKTIVVIELFALT IN FOTOGRAFISCHER DURCHDRINGUNG

In ihren Arbeiten bringt die amerikanische Künstlerin Jenny Okun zwei Positionen der ästhetischen Moderne in Einklang - den Kubismus und die Architekturfotografie. Es handelt sich bei ihren Bildwerken um fotografische Mehrfachbelichtungen von architektonischen Gebäudedetails, die zu wandfüllenden Mehrteilern organisiert werden.

Bereits das fotografische Verfahren macht ihre überaus abstrakt anmutenden Bilder zu etwas Außergewöhnlichen, gehen doch bildnerische Gestaltung und analytisches Sehen in jedem Teil des Bildes eine Verbindung ein. Indem sie die Architekturdetails in überlappenden Einzelaufnahmen auf einen einzigen Filmstreifen bannt, generiert sie ein Kontinuum sich abstrakt durchdringender geometrischer Formen und Flächen.

Wie bei ihren großen Vorbildern Picasso, Braque, Gris und Léger wird der Bildgegenstand in kubistischer Perspektivvielfalt aufgefächert, um ihn dann mit der im Medium innewohnenden Transparenz und Durchdringungsästhetik zu einem reinen abstrakten Bild zu steigern. Lichter und Schatten, Formen und Massen, Unter- und Überbelichtungen bestimmen wesentlich mit über die endgültige Bildgestalt. Diese wirkt durch die graphische Betonung und dynamisierte Kombination von geometrischen Grundformen den Bildwerken des Suprematismus nicht unähnlich.

Dass Jenny Okun insbesondere architektonische Elemente benutzt, um ihre fotografischen Bilder zu generieren und formenergetisch aufzuladen, passt wiederum gut als mediale Rückkehrbewegung zur kunstgeschichtlichen Tradition. War es doch Le Corbusier, der die Transparenz und Durchdringungsästhetik des Kubismus einst auf die Formensprache der modernen Architektur übertrug.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / HERBST 2012]