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BENJAMIN NACHTWEY /

Was sind Tankstellen in der Nacht anderes als Oasen des Lichts? Je weiter der Weg, desto heller erstrahlt das signalfarbene Licht am Horizont. Gleißende Verheißung für jeden auf Reserve durch die Landschaft brausenden Automobilnomaden.

Seit 1996 malt Benjamin Nachtwey diese stark frequentierten Orte des mobilen Zwischenstopps. Eigentlich mag man nicht lange auf ihnen verweilen, nur schnell seinen eigenen und den Durst des Wagens löschen, schon geht es weiter. Dennoch geraten diese vornehmlich funktional bestimmten Orte immer wieder ins motivische Blickfeld von Fotografen, Filmemachern und Malern. Warum? Eine Faszination geht von ihnen aus, die sich aus dem Zusammenspiel von Licht, Farbe, Form und Funktion speist - insbesondere in der Nacht, wenn die Kontraste auf ein Maximum anschwellen. Es ist die Phänomenologie des Ortes, die sie zu einem besonderen Sujet in der Darstellung werden lässt: Wirklichkeit gepaart mit einem Schuss Unwirklichkeit.

Benjamin Nachtwey, arbeitet sich an seinen Themen meist in Serien ab. Er materialisiert das bestimmte Licht der Tankstellen, indem er die Farbe mal pastös, mal flächig, mal glatt und sauber, mal flüchtig und verwischt aufträgt. Nicht um größtmögliche Schärfe und Detailgenauigkeit geht es ihm, sondern um das Sichtbarmachen der atmosphärischen Spannung von Nähe und Distanz, die an diesen Übergangsorten herrscht. Der Betrachterpunkt liegt meist außerhalb des Lichtkegels - auch dies kein Zufall. Der Betrachter wird so zum aktiven und distanzierten Beobachter zugleich. Wie die Tankstellenbesucher kommt er aus dem Nichts und verschwindet zurück in die Anonymität. .

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / HERBST 2012]