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JAN KOSTER / DUTSCHSCAPES

Im Grunde genommen existieren Landschaften nur im Auge des Betrachters. Daher betrachten wir Landschaftsfotografien meist durch den bestimmten Blick des Fotografen. Robert Adams fasste dies einmal als das Zusammenwirken von Geographie, Autobiographie und Metapher zusammen. Eine gute Landschaftsfotografie dokumentiert nicht nur einen Landschaftszug, sie erhebt ihn regelrecht über die Form zur persönlichen Aussage.
Die Bilder des niederländischen Fotograf Jan Koster, der seine Heimat hervorragend kennt und schon früh eine individuelle Form der Landschaftsdarstellung entwickelte, bestätigen dies. Seine Arbeiten sind Ausdruck einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Erlebnis von Landschaft. Allein die Geographiegeschichte der Niederlande bildet dabei ein umfangreiches Kapitel für sich. Küste und Küstenschutz spielen eine weitere große Rolle. Kaum ein Land, das stärker von Überschwemmungen und Verwerfungen bedroht ist als dieses.
Koster zeigt die Vielschichtigkeit der Dünenlandschaften bereits dadurch, dass er den Betrachterstandpunkt nur marginal variiert. Gleichzeitig fügt er jeder Ansicht etwas Symbolisches hinzu, indem er die Dünen über bestimmte Licht-Farbverhältnisse akzentuiert oder sie zu irritierenden Doppel-Ansichten kombiniert.
Die Weite des Landschaftsraums, die von den Schauspielen am Himmel ergänzt wird, kann möglicherweise darüber hinweg täuschen, wie viel Erdzeitkräfte und ingeniöse Landschaftstechnik in den Dünen stecken. Was dem Auge des Betrachters dabei verborgen bleibt, ist jedoch weniger der objektive Grad einer reinen Dokumentation, als der meist erst auf den zweiten Blick sichtbar werdende subjektive oder assoziative Aspekt des Landschaftsporträts. In Kosters Bildern kann man recht schnell spüren, wie sich die Dünen in dem weiten Landschaftsbett hin und her wälzen. Es ist, als träumten sie einen gewaltigen Traum.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / HERBST 2012]