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FABIANO BUSDRAGHI / INFINITE BUILDINGS

Man sagt, das Auge des Menschen sei ein Fenster zu seiner Seele. So gesehen, blicken wir bei Fabiano Busdraghis großformatigen Gebäude- und Fassadenbildern in eine äußerst komplexe und zugleich phantastische Gebäudebefindlichkeit. Das Fenster ist das wesentliche Element in seinen sorgsam zusammengesetzten und bewusst in einen Zwischenraum des Realen platzierten Gebäudewerken. Der Betrachter verliert sich förmlich in der Weite dieser kühnen Entwurfsidee, die sich ihrer utopischen Dimensionen absolut bewusst ist. Die mehr oder weniger gut bekannten Vorbilder der Gebäude, die der Künstler und promovierte Physiker vornehmlich in seiner Wahlheimat Paris findet, fotografiert und anschließend mit Hilfe von digitalen Collageverfahren verfremdet, liefern ihm alle wesentlichen architektonischen Details. Höhe und Breite sowie die Abfolge von Stockwerken dimensioniert er frei nach eigenem Ermessen. So entstehen Fenster für Fenster, Element für Element, Etage für Etage neue visionäre Gebäudekomplexe aus sehr wohl existierenden Ausgangsmaterialien.

Infinite Buildings nennt er diese Form der überwältigen, streng formalen und an historische Architekturzeichnungen erinnernde Gebäudeansichten. Egal ob eine Fassade im verspielten Jugendstil schwelgt, in formschöner Klassik ruht oder den Bildraum im sachlich nüchternen Stil der Moderne strukturiert - jedes dieser neu konzipierten Häuser weist weit über einen einseitigen Architektur- oder Epochennachweis hinaus. Busdraghi überlässt es der Neugierde des Betrachters, die Raumeinheiten mit Vorstellungen zu durchdringen. Gleichzeitig lädt er ein zu einer konzentrierten Spurensuche des Realen. So sind seine Gebäude zwar Ausdruck einer anderen architektonischen Vernunft, womöglich gar ferne Zukunftsgebilde oder kühne, unverwirklichte Träume berühmter Architekten, dennoch nicht unrealistisch. Sie balancieren auf einem schmalen Grad zwischen ästhetischer Erhabenheit, urbaner Ausschweifung und städtebaulicher Überwältigung. Man erkennt in ihnen die Wirklichkeit wieder und blickt zugleich auf und in eine phantastische Welt, die jenseits unserer Erfahrung liegt.

[ART-TEXT / LUMAS / MAGALOG MEDIEN / HERBST 2012]