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FRANZ BAUMGARTNER

Um Franz Baumgartners Gemälde in ihrer ganzen Tiefe erleben zu können, muss man sich vorstellen, wie durch einen Spiegel aus flüssigem Quecksilber hinüber in eine andere Wirklichkeit zu gleiten. In seinen Bildern herrscht ein Licht, das nicht von dieser Welt ist, und doch befinden wir uns mitten in ihr. Am besten gibt man sich bei dem gewagten Übertritt ganz seinen Empfindungen hin, dann erweist sich das Ungewohnte als durchaus vertraut. Baumgartner bildet nicht die nackte Realität ab, so wie wir sie kennen, und doch ist sie sein Thema. Seine Motive wirken wie durch einen Farbfilter gedämpft oder verstärkt und anschließend mit einem matten Silberfirnis überzogen. So handeln seine Werke durchaus von dem, was uns bekannt vorkommt und vielleicht sogar vertraut ist, nur erscheint es auf modifizierte Weise. Ein mediterran anmutender Park mit Brunnen, Statuen und Bäumen: Es ist nicht auszuschließen, dass wir selbst einmal genau dort standen und ein Erinnerungsfoto machten. Rein kompositorisch sind Baumgartners Bilder wie durch ein 50mm Normal-Objektiv betrachtet aufgebaut. Doch die farbliche und ästhetische Modellierung des Bildinhaltes entfernt sich weit von jeglicher fotografischen Wirklichkeitsaufzeichnung und nähert sich eher einem subjektiven Zustand. Man könnte seine Malerei metaphysisch nennen, weil sie sichtbar macht, was hinter der objektiven Welt verborgen liegt.

[ART-TEXT / LUMAS / MAGALOG MEDIEN / HERBST 2012]