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KAI STUHT / IN THE MOOD OF DRAPERIE

In Kai Stuhts sinnlichen Mode-Fotografien treffen mehrschichtige Gegensätze perfekt ausbalanciert aufeinander. Er ist ein Meister des Sublimen. Auf der einen Seite verzückt er mit barocker Fülle und viskoser Eleganz, auf der anderen kontert er jeden Anflug von gespreizter Feierlichkeit mit dem Charme des Maroden. Edle Stoffvorhänge legen sich symmetrisch geschwungen vor schmucklose Industriewände. Dazwischen werfen sich hauchdünne Models wie antike Göttinnen und verträumte Prinzessinnen in Pose.

Das visuelle Konzept, an dem Creative Direktor Miles Cockfield mitgewirkt hat, der schon mit Michael Comte und Sarah Moon zusammen gearbeitet hat, bietet eine perfekte Kulisse für eine anspielungsreiche Neuinszenierungen mythischer und kunstgeschichtlicher Vorbilder. Riesige Bälle, wie Globen von einer Göttin zum Wurf erhoben, füllen nicht nur formal den Bildraum, sondern kontern inszenatorisch die Stofflichkeit des Vorhangs. In einem anderen Bild liegen ausrangierte Waschbecken wie kostbare Jagdtrophäen auf einem Rest holländisch gefliesten Bodens drapiert. Flankiert von einer hohen Holzleiter, bereiten sie den Blick auf das Model im hautengen Abendkleid vor.

Es ist, als wohnte man einem bewusst reinszenierten Gemälde alter Meister bei, dessen biblisches und antikes Sujet mit den aufwendigen Mitteln der Modefotografie und einem feinen Sinn für dramaturgische Erzählung zu einem neuen Antlitz verholfen wird. Bei Stuht wirkt das Alte niemals alt und Neues niemals künstlich.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / FrÜHJAHR 2012]