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ANDREAS KOCK / LITTLE MISS NEWTON

"Little Miss Newton" lautet der Titel der neuen Bilderserie des Schweden Andreas Kock. Offener und zugleich respektvoller kann man dem Erfinder des Fashion-Nudes seine Referenz wohl nicht erweisen.

Wie Helmut Newton ist auch Andreas Kock ein Genre-Erfinder, allerdings im Sinne einer zweiten oder nachfolgenden Generation. Der Fashion-Fotograf ist bekannt für seine inszenatorischen und ungewöhnlichen Modestrecken, in denen er bewusst auf filmische und kunstgeschichtliche Vorbilder zurückgreift. Sei es der heimliche Blick in das hell erleuchtete Zimmer eines gegenüberliegendes Hauses wie in Hitchcocks Klassiker "Rear Window" oder die schlagschattenreiche Stille eines nüchternen Innenraumdekors wie bei Edward Hopper - Kock zitiert bekannte Bildstile und Sets, um sie mit neuem Esprit und Inhalt auszustatten.

Das ist spielerisch, das ist gewagt, das ist originell. Zitat und Neuausstattung liegen so dicht beieinander, dass ein brisanter Zwischenraum der Wahrnehmung entsteht zwischen Original und Pastiche. So zeigen Körper, Pose und Blick des Models jenes Newtonsche Spannungsmoment von freizügiger Nacktheit bei maximal idealisierter Schönheit. Das Interieur ist gewohnt opulent. Gleichzeitig schwelgt das Bild in einer edel glänzenden Tönung, die sich dem dunklen Teint des Models und den tiefen Schatten im Bild hervorragend anpasst.

Gerade dieser Stich ins Bräunliche hebt sich deutlich von Newtons Farbpalette ab. Im Spiegelblick des Models sind beide Momente noch einmal vereint: als Referenz an die Bildsprache Newtons und als bewusstes Spiel mit dem Motiv der Identität.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / FrÜHJAHR 2012]