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CHRISTOPHE JACROT / BAD WEATHER II

Christophe Jacrots Schlechtwetter-Fotografien sind bei aller Relativität individuellen Wetterempfindens wahre Stimmungsaufheller. Der Franzose vermag jedes noch so abweisende Schmuddelwetter in einen poetischen Augenblick urbaner Schönheit und menschlicher Tiefe zu verwandeln. Egal ob eine schneeverwehte New Yorker Straßenschlucht oder ein im Sprühregen versinkendes Lissabon, direktes Sonnenlicht täte seine Fotografien wahrlich nicht gut.

Ein im Dauerregen dampfendes, nächtliches Shanghai erstrahlt bei ihm so frisch und klar in elektrisch bunten Lichtern, als könnte es nur so existieren. Stets spielen künstliche Lichtquellen und optische Atmosphärediffuser wie beschlagene Schaufensterscheiben oder von Regentropfen übersäte Hotel- oder Busfenster eine wesentliche Rolle beim Aufscheinen der Jacrot`schen Metropolenaura. An der Schönheit dieser urbanen Regen- und Schneebilder kann man manchmal schon wieder verzweifeln. Zwei scheinbar widersprüchliche Temperamente werden zu einer sinnlichen Einheit zusammengeschmolzen.

Nicht zufällig wirken seine Motive wie farbige Widergänger jener ebenso mit Melancholie und Sehnsucht durchtränkten Filme des amerikanischen Film Noir der 40er und 50er Jahre. Harte Schlagschatten und elegante Frauenbeine avancierten damals zu bevorzugten Genres. Jacrots Aufnahmen sind allerdings frei von historischer Nostalgie. Vielmehr beweisen und unterstreichen sie, wie viel Aura jedem noch so unspektakulär erscheinenden Augenblick der Gegenwart inne wohnt.

Ein Mann mit Regenschirm überquert eine verschneite Straße mitten in New York, oder er steht verloren vor einem von Sprühregen heimgesuchten architektonischen Wahrzeichen Lissabons. Ein jedes Mal wird dieser Einsame von einem intensiven Lichtspiel der Umgebung in Szene gesetzt, liebevoll aufgefangen und exponiert zugleich.

Es ist diese Anwesenheit des Menschlichen, die Jacrots Bilder zu dem machen, was sie sind: Momentaufnahmen ungeahnten und leicht zu übersehenden Glücks. Ein alltäglicher Moment wird festgehalten, schon verwandelt er sich in ein poetisches Bild des Lebens.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / FrÜHJAHR 2012]

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