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ANNETTE HERDEMANN / SIGNS SEEING

Manche Objekte sind untrennbar verbunden mit einem Land, einer Stadt oder einer Nation. Die Stars and Stripes-Flagge gehört dazu, der Union-Jack, ein gelbes Taxi oder eine schwarzbuschige Bärenfellmütze. Es sind geläufige, überall auf der Welt bekannte Länder- und Städteinsignien, die nicht selten zu touristischem Kitsch verramscht werden, obwohl sie mehr als Andenken sind und vielen Menschen durchaus Identität stiften.

In Annette Herdemanns komplexen Bildcollagen tauchen diese bedeutungsvollen Versatzstücke als farbintensive Narrationssplitter einer übergreifenden visuellen Stadterzählung auf. Die junge Bilddesignerin entwirft polyperspektivische Stadtporträts, in denen architektonische Wahrzeichen, signifikante Stadtansichten und heterogene Alltagsszenen zu einem dynamischen ausgewogenen Gesamtbild zusammengesetzt sind.

Eine weißlich eingetrübte Vertikalschraffur verleiht den Bildern eine besondere Intensität. Die einzelnen Bildelemente wirken wie eingeblendet, als tauchten sie unversehens und größenvariabel in der verschwommenen Oberflächenschicht auf. Man kann in ihnen durchaus traumhafte Erinnerungsspuren eines intensiven Stadtbesuchs sehen. Starke, vereinzelte Eindrücke einer mehrtägigen Städtereise, die der Traum mit seiner eigenen Logik zu einem spektakulären und szenisch durchdrungenen Bilderrausch verdichtet. So beugt sich ganz selbstverständlich ein überdimensional großer Ampelbogen über die Brooklynbridge und gibt einem Subway-Train grünes Licht.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / FrÜHJAHR 2012]