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GUS HEINZE / ABSTRAKTER REALISMUS

Zwanzig Jahre verdiente sich der gebürtige Bremer Gus Heinze seinen Lebensunterhalt in der New Yorker Werbebranche, um dann Anfang der 70er Jahre der freien Malerei doch den Vorzug zu geben. Mit künstlerischer Methodik und Technik durch sein Kunststudium (1947-1950) in New York bestens vertraut, reagierte er auf die von Pop und Minimal Art inspirierten ästhetischen Strömungen seiner Zeit und entwickelte einen signifikanten Bildstil, auf den der Begriff der fotorealistisches Malweise schon nicht mehr zutrifft.

Auf der einen Seite zeigen seine Werke Alltagsräume und reale Gegenstände, die motivisch durchaus dem amerikanischen Way of life verhaftet sind. Auf der anderen Seite wird das fotografische Vorbild abstrakt durchbrochen, indem Bildpartien bewusst mit ausgesuchten Farb- oder Perspektivmodulationen manipuliert werden. Für diese malerische Überzeichnung des Realen schuf Gus Heinze den Begriff des Abstrakten Realismus. So erstrahlen seine urbanen Schaufensterlandschaften nicht nur in irritierender Perspektiv- und Spiegelungsvielfalt, sondern sie werden von raumgreifenden Verschattungen und bewusst gesetzten Farbkontrasten harmonisch ausgeglichen.

Es sind insbesondere typische New Yorker Insignien des Straßenlebens, die wir seit der Straßenfotografie der 20er Jahre kennen - Schilder, Schaufenster und hohe oder verwinkelte Fassaden, die für Gus Heinzes Bildvisionen wesentlich sind. Wenn man ein New Yorker Pendant zu seiner Malkunst in der Fotografie sucht, dann vielleicht den jüngst wieder entdeckten Saul Leiter, der bereits in den 50er Jahren abstrakte Malerei, Farbfotografie und New Yorker Stadtleben zu einer originären Form verdichtete, nur eben unter anderen medialen Vorzeichen.

Heinze taucht ganze Bildpartien ins verschattete Dunkel, nur um den verchromten Spoiler einer Limousine umso glänzender aufscheinen zu lassen. Seine Schaufenster- und Fassadenbilder verwandeln sich in freie abstrakte Kompositionen aus spiegelndem Glas, farbigen Lichtreflexen und amorph verzerrten Stahlträgern. Nur einem frönt er nicht so ausgiebig wie seine Kollegen, die New Yorker Straßenfotografen, er setzt keine Passanten ins Bild. Anstelle ihrer zoomt er auf eine extravagante Stoßstange oder auf das geometrisch-dynamische Gestänge einer Dampflokomotive. Er wählt den Bildausschnitt so, dass jedes noch so nüchterne Detail der Gegenstandwelt mit expressiver Stimmung aufgeladen wird.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / FrÜHJAHR 2012]