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HUMAN FOOTPRINTS

7 Milliarden Menschen auf der Erde hinterlassen Spuren. Human Footprints nennt man die überdimensional großen, aus der Höhe gut zu erkennenden Spuren, die mehr als nur tapsige Fußabdrücke im Sand der Erde sind: Ganze Städte und künstliche Inseln, riesige Flughäfen und noch gewaltigere Flugzeuglager, formschöne Autobahnmäander und sternförmige Straßennetze. Der Mensch, so scheint es nach dem Studium dieser Bilder, die ein Satellit aus rund 500 km Höhe von der Erde geschossen hat, ist nicht nur Nutznießer von Ressourcen und Landmassen, er gestaltet ihre Oberflächen auch nach bestem und durchaus eigensinnigstem Ermessen.

Paris an einem hellen Sommertag gleicht aus der Höhe einer fein ziselierten Druckplatte für Kristallstrukturbilder. Weston im Süden Floridas erweist sich als Heckenornament im Renaissancegarten. Ein Ausschnitt von Los Angeles wiederum gleicht einer Pralinenschachtel mit Zierband aus Highways. Der senkrechte Blick auf eine Stadt ist wegen des Überflugverbotes nur von Satelliten aus möglich. Zuweilen kann Stadtgeschichte unmittelbar abgelesen werden: Barcelonas enges Altstadtgetümmel wird von einem Gitter aus gleichförmigen Häuserblöcken und Straßenzügen umfasst.

Andere Orte geben uns große Rätsel auf, weil wir nicht sogleich von den abstrakten Bildelementen auf die wahre Begebenheit schließen können. Sind das bunte Steine im Ackerland von Beaumont? Oder sind es Krater? Die Faszination, die vom Unbekannten ausgeht, lockt die Neugierde in Gegenden, die voller terrestrischer und sublimer Überraschungen sind. Tiefdunkle und hellblaue Batikflächen entpuppen sich als Meeresuntiefen rund um Malediveninseln und dünne, grüne Parallelstreifen als Reis-Anbauterrassen in Bashang. Es ist eine andere Art von Landart, die nicht selten überrascht und zugleich nachdenklich stimmt.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / FrÜHJAHR 2012]