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JOSEPH McDERMOTT / POP ART DIGITAL

Ernest Hemingway schlug einmal vor, die kürzeste Geschichte der Welt zu schreiben. Sein Beitrag lautete: "For sale: baby shoes, never worn." Dieses Prinzip der narrativen Verknappung, bei maximaler Ausschüttung von starken Gefühlen, findet sich auch in den von der Pop Art und dem amerikanischen Comic inspirierten Bildern von Joseph McDermott.

Der begabte Illustrator aus Philadelphia setzt zwei Einzelbilder zu einer visuellen Kürzesterzählung zusammen, zu einem Ministrip, allerdings im großen Format. Er reduziert die Bildsprache auf markante Gesten und deutliche Körperzeichen und generiert daraus ein Maximum an Bedeutungsvielfalt. Eine hübsche Frau, die mit überfließenden Tränen aus dem Bild heraus zu einem Mann mit markanten Wangenknochen blickt. Was ist passiert? Was hat er zu ihr gesagt? Was hat er getan? Wir ertappen uns sogleich beim Mutmaßen.

In einer anderen Arbeit scheint es, als würde das Motiv durch die Anwesenheit des Betrachters aufgeschreckt werden. Erschrocken dreht sich die Frau mit dem roten Ohrring plötzlich zu uns um. Zu den Vorbildern von McDermott gehört zweifelsfrei Roy Lichtenstein, dessen Comic-Rasterdruck-Look McDermott zitiert. Doch anders als seinerzeit der Altmeister generiert McDermott seine Bilder nunmehr am Computer mit digitaler Farbe und binärem Pinsel. Das ist neu und pop-art-ästhetisch konsequent und sieht darüber hinaus gut aus.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / FrÜHJAHR 2012]