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AKOS MAJOR / SEASIDE OBJECTS

Der erste Blick morgens gilt dem Wetter. Ist der Himmel bedeckt, greift der gebürtige Ungar Akos Major direkt zur Fototasche und verlässt das Haus. Scheint die Sonne, bleibt die Kamera unberührt. Er schätzt die schattenlose, gleichmäßig monochrome Tönung in der Fotografie. Seine Motive hat er zuvor bereits ausgekundschaftet. Bei jedem neuen Bild überlässt er nichts dem Zufall.

Die meditative Wirkung, die von seinen Langzeitbelichtungen ausgeht, bereitet den Weg vor für eine exquisite Sujeteroberung. Mit Vorliebe sucht er Orte auf, die dem Menschen vorbehalten sind, aber im Augenblick der Aufnahme völlig verwaist erscheinen. Ein Badeort in der Nebensaison mit einer Reihe aufgebockter Tretboote auf einem einsamen Seesteg. Die Atmosphäre mutet surreal an. Der bewusst gewählte Bildausschnitt versetzt die Boote in eine eigenwillige Distanz. Es ist, als hätte sich von Seeseite etwas ihrer bemächtigt, als seien sie weit hinaus aufs Wasser gezogen worden.

Ein anderes Bild zeigt eine Dreiergruppe symmetrisch ausgerichteter Basketballkörbe. Auch sie ragen in die gestrichene Leere eines grauen Seenachmittags hinein. Die Komposition erfasst die Szenerie sowohl formal-ästhetisch, als dass auch die still gestellte Zeit an den Motiven förmlich greifbar wird. Wie Zeitmagnete ziehen die Boote und Körbe eine Dauer und Präsenz an sich, die sie im normalen Badealltag nicht besitzen. Sogar ein einfacher Steg führt auf diese Weise geradewegs ins Unendliche hinein, als könnte man von ihm aus die Ewigkeit besichtigen.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / FrÜHJAHR 2012]