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ERICH LESSING / MAGNUM MEMBER

Es ist das Wunder der Fotografie, Vergangenheit stets mit neuer Präsenz zu füllen. Ihre Augenblicksmomente sind Teil unserer Geschichte und unserer Identität. Als Erich Lessing 1939 mit 16 Jahren von Wien nach Palästina fliehen musste, hatte er nur einen Koffer dabei. Er überlebte als einziger seiner Familie den Holocaust.

Die Fotografie kann das Verlorene nicht zurückbringen, aber sie zeigt dem Betrachter den fragilen Moment des Lebens stets aufs Neue. Lessings schonungslos direkte Bilder des Ungarn-Aufstandes von 1956 machten ihn als Fotoreporter weltberühmt. Jahre zuvor war er bereits zum Mitglied der legendären Fotografenagentur Magnum ernannt worden. Konrad Adenauer und Charles de Gaulle warben um seine Porträtkunst. Seine Reportagen wurden vielerorts publiziert. Er selbst verstand sich vorrangig als Dokumentarist, nicht als Geschichtenerzähler.

Zugleich riefen seine Bilder starke Emotionen wach: "Berlin bleibt frei" prangt in riesigen Lettern und in dynamischer Geste von einer gewaltigen Plakatwand. Darunter sitzen sommerliche Berliner auf schmaler Tribüne und demonstrieren Geschlossenheit. Solche Aufnahmen sind es, die das geschichtliche Bewusstsein aufrütteln und von der Wucht des Lebens berichten.

In den 60er Jahren wandte sich Lessing mehr und mehr kulturell inspirierten Motiven zu. Seinem lebendigen dokumentarischen Bildstil blieb er auch als Farbfotograf treu.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / FrÜHJAHR 2012]