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LENI RIEFENSTAHL

Nur wenige Künstlerbiographien verzeichneten derart energetische Momente und polarisierende Nachklänge wie die von Leni Riefenstahl. Nicht nur ihr hohes Alter beeindruckte die Öffentlichkeit, auch ihre ungebrochene Kreativität und biographische Beharrlichkeit erregten stets Aufmerksamkeit.1902 in Berlin geboren, wurde sie zunächst Tänzerin, dann Schauspielerin, später hoch gelobte und hart kritisierte Filmregisseurin. Ab 1960 wandte sie sich der Fotografie zu, der sie bis an ihr Lebensende treu blieb.

Ihr Interesse galt zunächst den sudanesischen Nuba, einem schwarzafrikanischen Ureinwohnerstamm, dessen Leben und Kultur sie in drei Bildbänden beschrieb. Im reifen Alter von 71 Jahren entdeckte die Allrounderin dann beim Schnorcheln die Faszination der Unterwasserwelt und wurde Meeresfotografin. Um diese Welt fotografisch intensiv zu erkunden, lernte sie extra das Tauchen mit der Sauerstoffflasche - eine Leidenschaft, der sie noch hundertjährig frönte. Ihre Aufnahmen, die zwischen maritimer Körperlichkeit und farbenprächtiger Abstraktion changieren, zeigen ein feines Gespür und präzises Auge für ästhetische Formen und farbintensive Bildkompositionen. Geschickt entziehen sie sich herkömmlichen Mustern der Spezifikation und sachlichen Einordnung. Sie sind weder rein ästhetisch, noch ausschließlich dokumentarisch, sondern etwas wundersames Drittes.

Ein Wesenszug, der generell das Lebenswerk von Leni Riefenstahl kennzeichnet, die nicht nur alpine Berggipfel erstürmte, sondern auch die Form des Dokumentarfilms ästhetisch und bildsprachlich mitprägte. So lassen auch ihre Porträts von den mit weißer Asche geschminkten Nuba-Kriegern mit den rätselhaften schwarzen Gesichtsbemalungen einen fotografischen Blick erkennen, der sich überaus fasziniert der fremden Kultur hingab. Insbesondere in den Bildern vom "Njertun"-Ritus, einer Art Liebes- und Hochzeitstanz, findet man Riefenstahls Sinn für ästhetisch aufgeladene Körperlichkeit und erotisch-sinnliche Bewegungsposen wieder.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / HERBST 2011]