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CHRISTOPHE JACROT / PLAIN PLEURER

Der Franzose Christophe Jacrot ist ein fotografischer Flaneur im besten Baudelairschen Sinne. Immer wieder taucht er in New York, Paris, London oder Hong Kong zum Fotografieren ab, um verborgene flüchtige Alltagsmomente in voller poetischer Dichte und romantischer Ausstrahlungskraft ans Licht zu heben. Allerdings tut er dies nur bei Regen und Schnee. Je stürmischer und schlechter das Wetter, desto aufregender und stimmungsvoller der Augenblick. Um die verborgenen Schlechtwetterschönheiten des Metropolenlebens entdecken zu können, muss der Betrachter allerdings mit in die Regenniederungen steigen. Dann aber verströmen die Bilder mit einem Mal eine herzzerreißende Aura, ohne auch nur ansatzweise in Düsternis oder Tristesse zu verfallen. Im Gegenteil! Jede Metropole erglänzt in ihrer ganz eigenen Regenstimmung. Es macht einen großen Unterschied, ob der Himmel über Hong Kong oder London weint, oder ob es in Paris oder New York schneit. Das Regenwasser strömt nur so an der Busscheibe hinab und schafft eine ideale Reflexebene für Lichter, Farben und das Geschehen auf der Straße. Der elegante Damenschuh einer Vorübergehenden leuchtet an der Unterseite über nassem Asphalt Rot auf. Baudelaire widmete solch flüchtigen Momenten ganze Liebesgedichte. Jacrot schenkt ihnen perfekte Bilder. Es sind gerade die unscheinbaren Augenblicke, in denen sich das Leben in seiner ganzen Schönheit und Einmaligkeit zeigt. Das schlechte Wetter wird dabei zum idealen Träger von Sehnsüchten und verliebten Gefühlen. Jacrots Sujets könnten aus dem Film Noir stammen, doch sind sie bewusst in Farbe fotografiert.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / HERBST 2011]

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