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MATT CUSICK / NEW WAVES

In Matt Cusicks beeindruckenden Bild-Collagen liegen in der Realität weit entfernte und konkrete Landschaften, Gebirge oder Meere oft direkt nebeneinander. Der amerikanische Künstler generiert gewaltige Wellenbilder, fiktive Landschaften und menschliche Porträts aus puzzleartig zusammengesetzten Landkartenelementen, die er sauber zuschneidet und plan miteinander verbindet. Das Material entnimmt er schweren Atlanten und anderen Kartenbänden, die er mit Cutter und Schere behandelt.

Bereits Anfang des Millenniums entwickelte er seine beeindruckende Bildsprache. Damals war er der Arbeit mit Farbe und Pinsel überdrüssig geworden. Landkarten dagegen beeindruckten ihn wegen ihrer Farben, Formen und Gestaltungen. Er erkannte in ihnen ein perfektes Arbeitsmaterial, das ihn direkt hinüberführte in ein neues ersehntes Darstellungsterritorium. Insbesondere das Thema "Welle" beschäftigte ihn. Besonders in der japanischen Kunst entdeckte er einen künstlerischen und reflexiven Umgang mit dem Wellenmotiv, das zudem graphisch umgesetzt war. Und so kam Cusick auf die Idee von der bildgewaltigen Welle aus lauter kleinen Meereskartenelementen.

Die delirierende Wirkung, die von seinen teilweise großformatigen Bildern ausgeht, entsteht direkt im Auge des Betrachters, der zwischen räumlicher Perspektive und zweidimensionaler Landkartenaufsicht wechseln kann. Die Neukomposition des Kartenmaterials frappiert dabei umso mehr, als man sich über das Bildmotiv hinaus der realen Welt in der fiktiven und der fiktiven in der realen Welt gewahr zu werden versucht.

Die ursprüngliche Beschriftung der Kartenversatzstücke bewirkt eine überaus sinnliche Transformation, bei der aus wohlbekannten und nicht selten noch unbekannten Weltgegenden ganz neue Bildzusammenhänge erzeugt werden. Diese zeigen die Welt als ein ausgesuchtes, dramatisches Element ihrer selbst: Eine Welle aus kartografischen Ozeanen und Meerestiefen, eine fiktive Highwaylandschaft aus realen Straßenkarten, ein menschliches Porträt aus dutzenden Stadtplänen - genialer können Makro- und Mikrokosmos nicht ineinander fallen.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / HERBST 2011]