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LARRY YUST / LONDON PARIS

Das Versenken in Details und bildliche Zusammenhänge weckt den Detektiv im Betrachter. Er macht sich auf, eine Wirklichkeit zu entschlüsseln, die es in solcher Dichte und optischen Fülle nur in der Fotografie zu entdecken gibt. Photographic Elevation nennt der amerikanische Fotograf und Filmemacher Larry Yust das Verfahren, mit dem er komplette Straßenzüge, U-Bahnstationen oder breite Gebäudeblöcke auf ein einziges Bild bannt. Seine fotografischen Aufrisse lösen einen optischen Leserausch aus, der umso intensiver ausfällt, je stärker ein bestimmtes Lokalkolorit herausgearbeitet ist.

Die neue London-Serie gibt hiervon ein eindrucksvolles Beispiel. Auf der einen Seite zelebriert Yust ein altes London mit stilechter Kulisse aus Pinte und ehrwürdigem Geschäft. Auf der anderen Seite emanzipiert er sich von literarischen Vorbildern und zeigt London als eigenen und besonderen Ort der Gegenwart. Entfaltet die heterogene Aneinanderreihung von kleinen Häusern und charmanten Läden einen typisch altbritischen Charme, so wirkt das menschliche Gedränge eines kleinen Straßenmarktes wie eine Augenblicksaufnahme. Exquisite Adressen wie das Britische House of Parliament oder das Luxusgeschäft Harrods sowie eine quietschbunte Tubestation, die Tottenham Court Road, erweitern das London-Kaleidoskop um weitere Ansichten. Zwei im Gegensatz zu London eher sachlich wirkende Pariser Métro-Stationen hat Yust ebenso mit ins Portfolio genommen.

Wieder einmal besticht sein Verfahren auf ganzer Länge. Ob Straßen in Los Angeles, U-Bahnstationen in Paris und London, Renaissance-Paläste in Venedig oder stattliche Kolonialvillen auf Kuba, jedes seiner Panoramen entreißt der vermeintlich unterschiedslosen Gleichförmigkeit von Städten, Fassaden, Untergrundstationen und Straßenzügen ein aufregendes, spannendes und unverwechselbares Antlitz.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / HERBST 2011]