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HENGKI KOENTJORO / IM GARTEN DER GIPFEL UND LÜFTE

Hengki Koentjoros Fine Art Fotografie geht weit über perfektes Licht- und Schattenzeichnen in Schwarzweiß hinaus. Der gebürtige Indonesier erklimmt die Berge Javas, auf deren Gipfel die Atemluft bereits dünner wird. Die Aufnahmen, die er von dort mitbringt, sind voller Weite und stimmungsvoller Augenblicksdichte.

Koentjoro ist im Grunde beides: Ein begeisterter Naturbeobachter und ein faszinierender fotografischer Naturbildner. Sein Handwerk lernte er am Brooks Institute für Fotografie in Santa Barbara in Kalifornien. Natur zu sehen und zu spüren ist ihm gleichermaßen mentale Befreiung als auch fotografische Inspiration. Sich einen Landschaftszug direkt ins Schwarzweiße übersetzt vorzustellen, lässt seine Sinne regelrecht ausschweifen und in überraschende bildnerische Rollen schlüpfen.

So blickt er wie mit den Augen eines buddhistischen Mönches von der Tempelstätte Borobudur über die Regenwälder Javas hinweg. Oder er komponiert ein Landschaftsdrama aus Wolken und Bergzügen, in dem die räumlichen Blicktiefen geschickt in Bezug gesetzt sind zu visuell-gegenständlichen Formen und Nähen. Die Perspektivführung in seinen Bildern überwältigt stets aufs Neue. Wolken und Bergkämme wirken so hoch und so nah, als gelte in Indonesien eine andere Himmelsarithmetik.

Aber auch seine Unterwasserbilder verströmen eine ganz eigene und dichte Aura. Koentjoro nennt Michael Kenna als sein großes Vorbild. Wie dieser besitzt er einen feinen Sinn für monochrome Tonungen und pflegt einen sujetbezogenen Minimalismus. Sein Bildstil wirkt dennoch erstaunlich formenreich und sicher. Aufgeladen mit dichter, lebendiger Atmosphäre und zugespitzt auf ein narratives oder visuelles Bilddrama, verwandelt Koentjoro flüchtige Augenblicke der Natur in dauerhafte Momente zeitloser natürlicher Schönheit.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / HERBST 2011]