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MALGORZATA JANKOWSKA

Kindheit endet dort, wo Traum und Realität getrennte Wege gehen. Bis dahin ist alles erfüllt von Wundern, Phantasmen und Fiktionen. Nicht ohne Grund war für ein Malergenie wie Picasso die Rückgewinnung des kindlichen Sehens und Denkens ein Meisterstück der Kunst. Rückblickend dürfte den meisten Menschen die Kindheit als verlorenes Paradies erscheinen - eine Welt, in der alles seinen Platz hatte innerhalb eines harmonisch gefügten Ganzen.

Absichtsvoll nennt die in Berlin lebende polnische Künstlerin Malgorzata Jankowska ihre Bilderreihe deshalb "Arkadien". Es sind märchenhafte Bilder vom Wald im gebrochenen Licht, in dem Kinder einer unergründlichen Beschäftigung nachgehen, meist von wilden Tieren begleitet und von Riesenfliegenpilzen flankiert. Die mit japanischem Filzstift und in Aquarelltechnik gezeichneten Bilder wirken zunächst sehr idyllisch. Auf den zweiten Blick jedoch schleichen sich Irritationen ein. Ein Wolf an der Seite eines kleinen Jungen? Beide auf einer Eisscholle auf dem Waldsee treibend, nirgends ein Boot in Sicht? Das zwingt zum Nachdenken.

Geschickt spielt Jankowska mit der Phantasie des Betrachters. Lakonisch lässt sie Irrealität und Realität aufeinander prallen. Die Szenen gleichen fiktiven Momentaufnahmen eines modernen Grimmschen Märchens. Die Kinder, manchmal auch von Erwachsenen begleitet, wirken wie Großstadtbewohner, die sehr vertraut mit dem Wald und den wilden Tieren sind. Dies verleiht den Bildern eine besondere Aura. Möglicherweise ist es nur der Betrachter, der ein Unheil mit ins Bild trägt.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / HERBST 2011]