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BIBLIOGRAPHIE
SERIES

ERIC KLEMM / SILENT WARRIORS

Fallen die Fotografien der Serie shavings, auf denen abgeschabte Buntstiftspäne zu sehen sind, auf smarte Weise ins Genre des abstrakten Minimalismus. So begegnet einem in der Serie Silent Warriors das stille Kämpferherz der kanadischen und nordamerikanischen Indianer der Gegenwart. Der bei Vancouver lebende Klemm reiste weit durchs Land, um mehr als eine folkloristische Bestandsaufnahme der indianischen Gegenwartskultur zu fertigen.

In dem gleichnamigen Bildband erzählt er von einer Begebenheit aus seiner Kindheit im Saarland. Damals im Krieg sprengte eine Bombe das Dach des Hauses weg. Er schlief eine Nacht unter freiem Himmel. Seine Mutter zeigte ihm die Sterne und nahm ihm so jede Angst. Die Erinnerung an diese Nacht half ihm, das Vertrauen der Indianer zu gewinnen. Er lernte sie am Rande von Festivals, auf der Straße und vor Supermärkten kennen, unterhielt sich mit ihnen und porträtierte sie dann - bewusst vor einem neutralen Hintergrund.

Das Vertrauen war ihm wichtig, weil er einen unverstellten Blick suchte, der von keiner Skepsis verschattet sein sollte. Hundert Jahre zuvor hatte Edward S. Curtis die Ureinwohner des Kontinents noch als Great Warriors fotografiert. Von dessen romantisierender Geste sind Klemms Fotografien weit entfernt. Die Offenheit, mit der er den Nachfahren jener großen Krieger begegnete, spiegelt sich bei vielen der Porträtierten auf wunderbare Weise in einem neuen Stolz und einem wieder erstarkten Selbstbewusstsein wieder. Auf der Suche nach ihrem Antlitz, gab er der so oft missachteten Würde der Ureinwohner Amerikas etwas zurück.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / FRÜHJAHR 2011]