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TIM HÖLSCHER / GERMAN TANKSTELLEN REVISTED

Tim Hölscher zeigt dem Betrachter in zeitloser Klarheit eine vom Aussterben bedrohte Kultur. Diese originären, in den meisten Fällen längst zweckentfremdeten oder geschlossenen Tankstellen aus den 50er und 60er Jahren stehen, man glaubt es kaum, nicht unter Denkmalschutz. Sie können jederzeit umgebaut oder abgerissen werden, ganz wie der Eigentümer mag. Nicht jede wird zu einem Refugium der Kunst und Ausstellungskultur wie die FIT, die Freie Internationale Tankstelle in Berlin.

Der Bielefelder Fotograf befreite seine Schützlinge von allem dekorativen und werbewirksamen Ballast. Firmenschilder, Zapfsäulen und selbst die Umgebung wurden sorgfältig in einem aufwändigen Prozess der digitalen Retusche herausgefiltert. Auf diese Weise verhalf er der ursprünglichen architektonischen Idee dieser einstmaligen Mobilitätsstätten zur neuen Sichtbarkeit. Die funktionalen Zusammenhänge erscheinen nahezu aufgelöst, wenngleich noch rekonstruierbar. Ein schlichtes Gebäude, eine gegossene Asphaltdecke und je eine Dachkonstruktion voller architektonischen Eigensinns. Gerade der serielle Charakter der überarbeiteten Aufnahmen ermöglicht dem Betrachter einen direkten Vergleich zwischen den individuellen Architekturen der Tankstellen. Es zeigt sich, dass jede auch für sich stehen kann, auch wenn es funktionale Übereinstimmungen gibt.

Der Spannbeton trug zweifelsfrei seinen futuristischen Teil zur Modernität dieser Orte entlang der Ausfallstraßen und Autobahnen bei. Die signifikante Form der Dächer sollte im wahrsten Sinne des Wortes als Markenzeichen des jeweiligen Tankstellenlabels schon aus der Entfernung gut zu erkennen sein. Zu den tausenden Kilometer, die der Fotograf im Auto zurücklegte, um diese weit im Land verstreuten Dinosaurier der Tankbefüllung zu fotografieren, kamen unzählige Stunden der digitalen Nachbearbeitung hinzu.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / FRÜHJAHR 2011]