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GUY DIEHL / TRADITION UND MODERNE

Die dunkeltonigen Stilleben des amerikanischen Künstlers Guy Diehl sind renommierte, originäre Bildwerke reinsten Couleurs. In ihnen herrscht ein klares, frisches Licht, das wie ein glänzender Firnis über den von Zeit und Kunstgeschichte handelnden und bewusst arrangierten Gegenständen liegt. Die Grenzlinie zwischen Malerei und Photographie erweist sich in den Bildern auf perfekte Weise aufgelöst. Farbauftrag, Detailzeichnung sowie Lichtführung erzeugen einen überwältigenden photorealistischen Effekt, der in seiner exzellenten Erscheinungsweise geradezu frappiert.

Jeweils vor neutralem Hintergrund öffnet sich ein plastisch durchwirkter Tiefenraum, in dem alles zum kunstgeschichtlich aufgeladenen und symbolisch bedeutungsvollen Familien- und Erinnerungsfoto strebt. Jedes Mal reüssiert ein neuer bekannter Künstler der Moderne in den Bildern. Repräsentiert wird dieser - wie zum Beispiel Yves Klein oder Amedeo Modigliani - in Form eines seiner berühmten Künstlerbücher, einer ausgesuchten Motivkarte sowie von bewusst gesetzten Objekten wie Flaschen, Gläser und farblich abgestimmte weitere Objekte. Indem er typische stilistische Merkmale dieser Künstler aufgreift und in einen bedeutungsvollen Zusammenhang mit der klassischen Form des Stillebens stellt, verbindet Guy Diehl Tradition und Moderne.

Es ist eine Schule des bewussten Sehens, zu der er einlädt. Obwohl mit einem Maximum an gegenständlicher Bedeutungsvielfalt ausgestattet, erweisen sich die Arbeiten ganz dem Ideal der ästhetischen Reduktion verhaftet. Alle Bildteile erscheinen klar und schnörkellos, darum nicht weniger realistisch oder gar künstlich. Guy Diehl muss keine Staubflusen malen, um seinen Bildern Tiefe zu verleihen und gelebte Zeit spürbar werden zu lassen. Die gesamte gestalterische Durchdringung in Form von Transparenzen und Verdeckungen, effektvollen Glanzlichtern und geheimnisvollen Schattierungen nimmt den Betrachter je mit auf eine hypnotische Reise in ein ausgesuchtes Kapitel der Kunstgeschichte und der Moderne. Diese Bilder sind wahrhaft sinnlich verdichtete Schauspiele einer historisch lebendigen Materialität vor dem Hintergrund einer durchaus modernen bildnerischen Akkuratesse.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / FRÜHJAHR 2011]