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HOLGER BÄR / IM BILDERRAUM DER MALMASCHINE

Die sanfte Stille des People`s Park in Shanghai, eingefasst in eine seltsam flirrende Atmosphäre. Oder eine Spaziergängerin im Central Park. Etwas in den Bildern von Holger Bär irritiert. Es ist die leicht irisierende Oberflächenstruktur. Seine Bilder, die dem Stil des Pointillismus des 19. Jahrhunderts ähneln, haben es auf exquisite Weise in sich. Sie wurden von einer Malmaschine gemalt, deren Schöpfer und Programmierer der Künstler selbst ist. Er bestimmt Sujet, Farbe und Art des Farbauftrags - die Ausführung übernimmt die gebaute Maschine.

Mit jedem Bild stellt Holger Bär die alte Frage neu: Worin besteht die Echtheit eines Bildes? Welchen Anteil hat der Betrachter bei der Generierung von Sinn und Sinnlichkeit? Sein erster Malroboter vereinte bereits vor 25 Jahren analoge und digitale Technik. Er tauchte einen Pinsel in den Farbtopf und strich im linearen Algorithmus über die Leinwand. Mittlerweile sind Bärs Malmaschinen steuerungstechnisch und maltechnisch perfektioniert.

Obwohl Bär Sujets wählt, die mit der romantischen Tradition spielen, wirken seine Arbeiten doch impressionistisch. Die Maschine hat ihren Eigensinn. Zum Glück! Es sind gerade winzige unkontrollierbare Unregelmäßigkeiten, die den individuellen Charme des maschinell erstellten Bildes ausmachen und es zu einem Unikat werden lassen. So wie die Pointillisten nach neusten wahrnehmungsphysiologischen Erkenntnissen malten, so hat Holger Bär ein Faible für digitale Steuerungstechniken. Seine Maschinenkünste stehen seinen bildnerischen Fertigkeiten dabei in nichts nach.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / FRÜHJAHR 2011]