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LARRY YUST / PHOTOGRAPHIC ELEVATION

Photographic Elevation nennt der amerikanische Fotograf und Filmemacher Larry Yust sein Verfahren, mit dem er ganze Straßenzüge auf ein einziges Bild bannt. Damit die Häuser nicht verzerrt dargestellt werden, benutzt er keine Panoramakamera, sondern fertigt etliche Einzelbilder innerhalb eines homogenen Abschnitts, die er anschließend zu einem übergangslosen Panorama zusammensetzt. Der Betrachter wird, wenn er an den meterlangen digitalen Panoramen folgt, selbst zur bewegten Filmkamera. Das Verfahren besticht inhaltlich und ästhetisch. Die vorgebliche Gleichzeitigkeit von Motiv und einmaligen Aufnahmemoment ist dabei eine Illusion. Was der Betrachter sieht, ist nicht nur ein kompletter Straßenzug, sondern eine aus mehreren Zeitschnitten bestehende Aufnahmedauer.

Insbesondere in den neuen Kuba-Bildern erfährt dieses diachronische Aufnahmeverfahren eine kongeniale Entsprechung, haben diese wunderschönen Gebäude doch selbst viele Epochen und Zeitströmungen überdauert. Man sieht ihnen die Spuren der Zeit sehr wohl an. Dennoch haben sie nichts von ihrer ursprünglichen Wirkung verloren. Beträte man sie, so würde einem schwindeln, derart hoch hängen die Decken.

In berauschendem Nebeneinander von architektonischen Stilen und Epochen schwelgen auch die neuen Venedig-Veduten mit den vielen herrschaftlichen Palazzi. Den vier Kilometer langen, s-förmigen Canal Grande einmal vollständig abzubilden, wäre selbst für Larry Yust des Guten zu viel. So wählt er markante Seitenbegrenzungen, die dem virtuellen Besucher Orientierung stiften. Nichts desto trotz steht jedes Gebäude in diesen komplexen fotografischen Aufrissen auch für sich und löst einen optischen Leserausch aus.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / FRÜHJAHR 2011]