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HORST KLEMM / NAH DRAN

Das Wunder seiner Bilder ist jene überwältigende Nähe, die der Betrachter beim Gewahren der dargestellten Tiere je aufs Neue erfährt. Es ist, als würde man einer fremden Kraft zum ersten Male begegnen. Überraschende Momente ursprünglichen Sehens. Dabei sind seine Motive schon den Kleinsten bekannt: Die wilden Tiere Afrikas.

Seit über 35 Jahren lebt der in Gera geborene Grafiker und Fotograf Horst Klemm nun in Südafrika. Er könnte abendfüllende Geschichten erzählen über Mühsal und Geduld, die nötig sind, ein wildes Tier in freier Wildbahn zu erleben, von den Gefahren ganz abgesehen. Um seine Motive für die Ewigkeit eines berauschenden Augenblicks festhalten zu können, muss alles stimmen: Licht, Gestalt und Pose, Himmel, Wind und Wolken. Seine Close-Ups bestechen durch großen Detailreichtum und haarspitzenfeine Schärfe. Zu ganz eigenen Porträts werden sie durch die kompositorische Einbindung des Raums und seiner vorherrschenden Kräfte. Der Himmel wird zum Modellierer des Lichts, das sich im Wind biegende Gras vermittelt Weite.

Monolithisch wie zwei Urgesteine ruhen zwei Wasserbüffel im Savannengras. Jahrtausende meint man an ihnen abzulesen. Versteinert verkrustetes Horn, zottelig und allen Wettern trotzend das Fell. Die Kraft der Natur ist den Tieren unmittelbar eingeschrieben. Wind fährt durch eine Löwenmähne und stellt sie neckisch auf. Strahlenförmiges Licht bricht durch Haufenwolken und setzt grandiose Reflexlichter. Das alles geschieht auf natürliche Weise, allein durch den alles erfassenden Blick des Fotografen im Augenblick der Aufnahme gebannt. Ein Porträtist im Studio müsste für solch typischen Porträt-Effekte extra Fön, Strahler und etliche Assistenten bemühen.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / FRÜHJAHR 2011]