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ANDREA DAMP / UNVERBORGEN - UNSICHTBAR

Ein Junge springt zwischen üppigen Palmen in die Luft. Gegenlicht, hellblaue Shorts, weißblondes Haar. Ein schwereloser Augenblick. Mit den Armen versucht er das Gleichgewicht zu halten. Es könnte eine tropische Pfütze sein, über der der Junge schwebt - im nächsten Augenblick hineinplatschend und Wassertropfen in alle Richtungen verspritzend. Alles in dem Bild strotzt vor sinnlich arretierter Augenblicksdynamik. "o.T. (Andy W.)" lautet der doppelsinnige Titel des Bildes. Haben die auffliegenden Haare des Jungen nicht eine erstaunliche Ähnlichkeit mit der signifikanten Frisur eines berühmten Pop Art Künstlers?

Dynamische Zuspitzung des Bildraumes. Dynamisches Kippen von Vorder- und Hintergrund. Eingebettete, arrangierte Figuren in graphisch verträumten und eigensinnigen Umgebungen. Dies sind die wesentlichen Merkmale in den Bildern der jungen Berliner Künstlerin Andrea Damp. Ihre Arbeiten weisen ein hohes Maß an Reflexion und gestalterischer Kombinatorik auf. Mit traumwandlerischer Sicherheit lockt sie den Betrachter in enigmatische, vieldeutige Bildwelten hinein. Ihre Bilder entstehen am Atelierboden, wo sie ihre Leinwände ausbreitet und zunächst intuitiv mit Farbe bearbeitet, ohne bereits ein genaues Bild vor Augen zu haben. Ausgesuchte figurative Vorlagen und andere signifikante Motive aus ihrer Kindheit auf Rügen oder aus den Medien finden daraufhin Eingang ins Bild.

Spannungsreich kommunizieren diese Motive mit der Umgebung, fügen sich ein oder verlieren sich eigensinnig in ihr, dem Unbekannten auf der Spur. Ein irrlichterndes Karussell mitten im Wald - bei Andrea Damp wirkt solch eine surreale Erscheinung auf geheimnisvolle Weise fast schon wieder vertraut. Ein Schneewittchen ähnliches Mädchen, das sich hinter einem massigen, malerisch fein durchgearbeiteten Baumstamm versteckt - eine Stimmung wie im deutschen Märchenwald.

In ihren Bildern existiert etwas, das wie paradoxes Verstecken funktioniert. Die kräftige Farbgebung, das vexierbildhaft Spiel von Vorder- und Hintergrund, man fühlt sich an kleine Kinder erinnert, die sich beim Versteckspiel einfach nur die Augen zuhalten. Verbergen und gleichzeitig sichtbar sein, genau in dieser Geste liegt das schwebende Moment der materiell sinnlichen Malerei von Andrea Damp begründet.