INTRO
CV
BIBLIOGRAPHIE
SERIES

ROBERT LEBECK / SMILING BOB

Henri Nannen, für dessen Magazin Robert Lebeck drei Jahrzehnte durch die Welt streifte, gab ihn den Spitznamen "Smiling Bob". Gelächelt hat auch Henri Nannen viel. Denn Robert Lebeck lieferte in einem fort erstklassige Bilder ab, so dass der Stern bald zu einem der wichtigsten Magazine für Reportagefotografie avancierte. Fragt man Robert Lebeck, wie es ihm gelingen konnte, so oft im entscheidenden Moment am richtigen Ort zu sein und auf den Auslöser zu drücken, dann strahlen seine Augen und er setzt sein verschmitztes "Smiling Bob"-Lächeln auf.

Gern verweist er auf sein unverschämtes Glück. Oder er bringt Intuition ins Spiel. Sollte das alles nicht hinreichen, zitiert er gern noch Robert Doisneau: "Fotografieren heißt die Regeln verletzen". Im Gegensatz zu seinem französischen Kollegen, dessen berühmtes Pariser Kussbild inszeniert war, hat Lebeck die Wirklichkeit nie um die Wahrheit des Augenblicks verraten. Ich bin Journalist" lautete Lebecks Selbstverständnis. Sein legendäres Bild vom Raub des Säbels des belgischen Königs Baudouin während der Parade in Leopoldville 1960 durch einen einheimischen Kongolesen war so wahrhaftig und echt wie eine schier unvorstellbare, für sich sprechende Entwaffnung überhaupt sein kann.

Die internationale Reportagefotografie hat Lebeck eine Vielzahl einzigartiger, fotografischer Augenblicke zu verdanken. Mittlerweile sind zu seinem unerschöpflichen journalistischen Bilderfundus auch freie künstlerische Arbeiten hinzugekommen. Den Bezug zur Wahrheit und Wirklichkeit hat Lebeck deshalb noch lange nicht aufgegeben. Im Gegenteil. Schon seine Reportagefotos und insbesondere seine Porträts wie das vom reitenden Willy Brandt auf einem Esel, von Konrad Adenauer oder von Helmut Kohl, in napoleonischer Pose vor dem Washingtoner Capitol, zeigten stets mehr als nur einen Augenblick unverschämten fotografischen Glücks.

Eine Auswahl Bilder aus dem gleichnamigen Bildband "Unverschämtes Glück" ist nun als eine von drei Robert Lebeck- Editionen bei Lumas erschienen. Es sind Bilder voller emotionaler und kompositorischer Perfektion, die nicht nur den Schnappschussjäger Lebeck zeigen, sondern darüber hinaus einen sehr behutsam agierenden Fotografen, der der Wirklichkeit einen herausgehobenen Augenblicksmoment voller Schönheit und metaphorischer Tiefe zu entwenden weiß.

Obwohl zeitlos wirkend, sind diese Aufnahmen voller Zeit, und im Grunde auch voller Sprache und symbolischer Tiefe. Um mit einem Bild der Serie zu sprechen, das eine springende Ballerina im Moskauer Bolschoitheater zeigt: In diesen Bildern scheint für mehr als einen flüchtigen Augenblick das von allen Gravitationskräften des Lebens befreite Signum der Leichtigkeit auf, das über dem Parkett der Geschichte zu schweben scheint.

Dass Robert Lebecks Lebenswerk eine intensive fotografische Bebilderung insbesondere der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts darstellt, davon vermittelt auch die Serie "Neugierig auf Welt" einen außergewöhnlichen Eindruck. Die Bilder sind aus mehreren verschiedenen Einzeldias zusammengesetzt, deren originale Beschriftung aufschlussreiche Informationen über den jeweiligen Entstehungsort, die Zeit und das Veröffentlichungsmedium liefern. Der Betrachter kann der journalistisch-bildlichen Zeitachse folgen, wie er auch einen Einblick in das Privatarchiv des Fotografen gewinnt und nebenbei gern über die Zeiten der analogen Fotografie ins Schwärmen geraten mag.

Die sind für Robert Lebeck noch lange nicht vorbei, auch wenn er zuletzt selbst zu einer digitalen Kamera gegriffen hat. "Preußisch Blau" heißt die Serie, die über einen längern Zeitraum in Berlin jeweils zur blauen Stunde entstanden ist. Die Bilder zeigen signifikante historische Gebäude der Stadt. Lebeck war sich nicht zu schade, dafür regelmäßig in einen Doppeldecker-Bus zu steigen, um wie ein typischer Berlin-Tourist von der oberen Plattform aus die Stadt zu fotografieren. Das Ergebnis mutet alles andere als amateurhaft an. Nun, wir wissen ja: Unverschämtes Glück!

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / HERBST 2010]