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JONATHAN CHRITCHLEY / GEOMETRIE DER WINDE

Nichts ist schwerer zu fassen als Luft, nichts leichter zu durchbrechen als Stille. Wer den Wind sichtbar und die Stille von Landschaften hörbar machen will, der muss entweder eins werden mit der Natur, oder er gebraucht seine Kamera so wie der bei Biarritz lebende Brite Jonathan Chritchley. In seinen perfekten Schwarzweiß-Bildern atmet die Natur wie ein sich hebender und senkender Brustkorb der Unmittelbarkeit. Nebel steigen zwischen dunklen Baumstämmen herauf. Schatten malerischer Berghügel legen sich zum Schlafen auf einen Fluss nieder. Es scheint, als habe der an der Südwestküste Englands aufgewachsene Brite einst einen anspruchsvollen Vertrag mit der Natur geschlossen, den er nun mit fotografischer Leidenschaft und mit großer kompositorischer Gewandtheit erfüllt.

Das Segeln spielt in seinem Leben eine große Rolle, und so verwundert es nicht, dass Chritchley seine Alchemie der fotografischen Sichtbarkeit auch an den Winden auslässt. Wie dreieckige Windbacken wölben sich riesige Segel in der lichten Höhe von Schiffsmasten. Der prall aufgefüllte Spinnaker eines modernen Segelbootes rollt förmlich aus dem Bild hervor. In einem anderen Bild ist der kurze Moment festgehalten, in dem eine Windböe, wie von einer fremden Schwere gezogen, aus dem Segeltuch gleitet und den Stoff augenblicklich erschlaffen lässt. Das Segel gleicht nun einem leichten Tuch, das über etwas Geheimnisvolles geworfen wird. Ein anderer Segelteil im Bild strotzt weiterhin vor Straffheit, so dass insgesamt ein Eindruck von Reliefartigkeit entsteht. Wenn eines durch diese Form der Bildgestaltung sichtbar wird, dann sind es die enormen und unsichtbaren Kräfte des Lebens. Sie werden übersetzt in formschöne Figuren und gleichmäßige Körper aus Segeltuch, deren Schattenspiele der Leichtigkeit der Bilder zuträgt und beim Betrachter eine Sehnsucht nach Weite und Freiheit weckt.

Als Weltreisender ist Jonathan Chritchley nicht nur Gast aller Kontinente, sondern vor allem in vielen Magazinen und Galerien vertreten. Seine Werke sind wegen ihrer einmaligen Segelportfolios international bekannt und geschätzt. Für Lumas wurden speziell die Landschaften und Segelszenarios ausgewählt, die seine kreative Vielfalt vor allem im Bereich der Abstraktion unter Beweis stellen.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / HERBST 2010]