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BELICHTETES LEBEN / STRECKENTEXT TIERE

Tiere stehen nicht nur am Anfang der Kunst, sie ziehen seither die Faszination des Menschen auf sich. Man denke an die ersten menschlichen Darstellungen auf nacktem Felsgestein! Sie handeln von Tieren, der Jagd und dem Tod. In der Fotografie ist es nicht anders. Gerade weil die Tiere in großer Würde, Stärke und natürlichen Schönheit erscheinen, schwingt das Thema Vergänglichkeit stets leise mit. Dies erzeugt eine ungeheure Spannung.

In einem kunstvollen Verweisungsspiel geht THOMAS ZIKA der Frage nach dem Verhältnis von Sein und Schein, von Realität und Abbild nach. Die mit einer Großbildkamera aufgenommen Jahrhunderte alten Schmetterlingssetzkästen aus großen Familiensammlungen verblüffen durch Schärfe, Detailgenauigkeit und Farbvielfalt. Die sehr alten und zum Teil auch sehr seltenen Exemplare haben nichts von ihrer Schönheit verloren. Im Spiel der Repräsentation verwandeln sich die Schmetterlinge in ihrer konservierten Pracht zu fotobelichteten papiernen Artgenossen.

Einer bedeutsamen Traditionslinie folgt auch der britische Fotograf TARIQ DJANI. Er porträtiert edle arabische Vollblüter und königliche Jagdfalken. Es sind kostbare, prämierte Tiere, deren Stärke, Intelligenz und Ausdauer in der arabischen Welt sehr bewundert werden. Sie stammen aus führenden königlichen Privatställen und besitzen weit zurückreichende Stammbäume. Die Verehrung, die insbesondere den Vollblütern zukommt, ist mittlerweile auf die Kunst übergegangen. In den Sammlungen arabischer Königshäuser sind Djanis Bilder sehr gefragt.

In Europa wird Rotwild mit Königlichem assoziiert. Das liegt daran, dass es früher meist nur dem Adel erlaubt war, es zu jagen. Heute ist derjenige Fürst, der die Tiere in freier Natur erlebt. Der Fotodesigner und in Norddeutschland ansässige FRANK STÖCKEL ist nicht nur dem seltenen weißen Rotwild begegnet und hat es fotografiert, für ihn ist die intensive Bindung an seine Heimat zwischen Kiel und Lübeck generell Motivspender. Bravourös meistert er die Gratwanderung zwischen Geheimnis und Kitsch. Das Rotwild in seinen Aufnahmen scheint just im Moment der Aufnahme den Morgen einer anderen Zeit zu betreten.

Einer besonderen Epoche gehört auch der nordamerikanische Bison an, den JULIA CHRISTE fotografiert hat. Er hat die Eroberung des Wilden Westen nur knapp überlebt. Er gilt als amerikanische Ikone, und so setzt ihn die Kommunikationsdesignerin auch ins Bild: Stets im Profil, vor einer blendend weißen Schneekulisse. Die Pelzzotteln und Schneespuren auf seiner Stirn lassen ihn archaisch und majestätisch zugleich erscheinen. Eine buschige Pelzmütze krönt das behörnte Haupt.

Wild Life ist auch das Thema des Fotografen und Safari-Experten PATRICK BENTLEY. Im Norden von Sambia aufgewachsen, sind seine Arbeiten geprägt von genauer Beobachtungsgabe. Eine Besonderheit sind seine Nachtaufnahmen von Kalibus, Hyänen und Baboon Affen. Sie gleichen Schattenrissen - mit flirrendem Lichtstift in die Dunkelheit gemalt. Gesichter, Körper und Fellzeichnungen der Tiere versinken im nächtlichen Dunkel. Lediglich eine hauchdünne Aureole Gegenlicht lässt die Tiere sichtbar werden. Obwohl zur formschönen Silhouette reduziert, verlieren die Tiere nichts von ihrer wilden Lebendigkeit.

[ART-TEXT FÜR LUMAS / MAGALOG MEDIEN / FRÜHJAHR 2010]