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BIRGIT KRAUSE / UNWILLKÜRLICHE ERINNERUNGEN

Recherche und Blue Monday

Jeder hat seine Madeleines, behauptete der argentinische Autor Julio Cortázar einmal! Er spielte damit auf jene berühmte Erinnerungsszene in Marcel Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit an, bei der eine Tasse Jasmin-Tee und ein muschelförmiges Gebäck die Hauptrolle spielen. Aber gilt diese Feststellung auch in der Fotografie?

"Man findet seine Kindheit und Jugend überall - nur nicht dort, wo man sie verbracht hat!", lautet das Fazit der Berliner Fotografin Birgit Krause, Studentin (von Sibylle Bergemann) und Meisterschülerin (von Arno Fischer) an der Ostkreuz-Schule, die sich mit zwei verschiedenen Kameras und über einen längeren Zeitraum auf die Suche nach ihrer verlorenen Zeit gemacht hat.

Recherche und Blue Monday heißen die stilistisch sehr unterschiedlichen Serien, in denen sie der Gegenwart des Vergangenen nachspürt. Anders als in Marcel Prousts literarischem Jahrhundertwerk stiegen ihre unwillkürlichen Erinnerungen jedoch nicht aus einer Tasse Tee hervor, sondern sie erschienen als motivische Widergänger an überraschenden und durchaus weit verstreuten Orten der Gegenwart.

In ihren Bildern verschränken sich Zeiten, Menschen, Räume, Orte und Stimmungen. Die Vergangenheit taucht unvermittelt in Gestalt der Gegenwart auf. Das Damals der Erinnerung verschmilzt mit dem Jetzt der Fotografie. Es ist, als sei die verlorene Zeit all die Jahre weit verstreut durch die Welt geirrt, um unwillkürlich, aber gerade noch rechtzeitig vor dem zufällig vorbeikommenden Kameraobjektiv der Fotografin zu erscheinen und sich in ein bekanntes Bild zurück zu verwandeln. .

[AUSSTELLUNGSTEASER FÜR SHOW IN DRESDEN / 2012]