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MATTHIAS HAGEMANN, ALEXEANDRA SCHRAEPLER, SABINE WILD / NIEMANDSLAND





Was meint eigentlich der Begriff „Niemandsland“? Ein Land, das niemandem gehört? Oder einen geographischen Ort, an dem nichts oder niemand zu finden ist? Vielleicht beschreibt das Niemandsland eher ein ökonomisches Potential, das bestimmten Interessen nützt, weshalb es schon bald nicht mehr von jedem betreten werden darf.

Innerstädtische Brachen, aufgelassene Flughäfen, ehemalige Fabrikgelände und dem Abriss übergebene Wohnviertel gibt es überall auf der Welt. Sie tauchen meist dort auf, wo sich gesellschaftliche Umbrüche ereignen, wo Grenzen fallen und sich wirtschaftliche Interessen verschieben. Obwohl Orte der Geschichte und einer gesellschaftlich erlebten Zeit, stellen diese Areale meist nur einen funktional unbestimmten Übergang dar hin zu ganz neuen städtebaulichen Formen und Visionen.

Die Fotografie kann diesen vagen Orten ein Gesicht verleihen, ihnen vielleicht sogar eine Identität schenken. Sie hält sie im Bild fest und bezeugt ihre freie Existenz vor oder hinter dem Stadtrand. Mit jedem Bild stemmt sie sich gegen den Drang des Fortschritts, diesen Zwischenorten der Geschichte progressiv oder ökonomisch habhaft zu werden, um sie wertschöpfend umzugestalten und dadurch eigentlich zum Verschwinden zu bringen.

In drei fotografischen Positionen eröffnet die Gemeinschafts-Ausstellung von Matthias Hagemann, Alexandra Schraepler und Sabine Wild einen visuellen Diskurs über die bestimmte Form des urbanen Übergangs. Obwohl geschichtlich und räumlich voneinander getrennt, verbinden sich dabei Berlin, Shanghai und Tokio zu einer universalen Grammatik der im Spannungsmoment aufgehobenen Zeit und des Raumes.

[WETTBEWERBSTEXT / 2014]