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SUSANNE WEHR & SABINE WILD / NAKED

Kein schummeriges Dunkel, hellstes Tageslicht: Zeit zum Ausziehen!

NAKED - Zeigen und Verbergen. Ein Übermaß an sichtbarer Oberfläche bändigen. In der Entblößung neue Anordnungen schaffen. Allein das Wort tritt Assoziationslawinen los.

NAKED (City) - Aufschreiender Blitz, stumme schwarze Blutlachen. Weegees New York? Vergiss es! Sabine Wild hellt das Dunkel des Verbrechens auf, beraubt die Städte ihrer Düsternis. Aufblendung, Entkleidung der gestrigen Nacht, enthüllte Verhüllung. Tageslicht, frischer Teint. Eine japanische Geisha auf dem Weg in den Garten, in dem die Bilder sich verzweigen. Makellose Haut und Marmor. Film Noir auf kimonoweiß gedreht.

NAKED (auf kimonoweiß gedreht) - Amateurbilder, ersteigert aus antiquarischem Fundus, Provenienz unbekannt. Bilder voll privater Intimität. Volks-Bild. Je heimlicher der Vorsatz, desto freizügiger die Geste, das nackte Ergebnis. Versuchsanordnungen zur eigenen Scham: Spiel. Tabubruch. Grenzüberschreitung. Sehsucht und Obsession. Nachbildung durch Nachahmung. Der Blick von Susanne Wehr setzt Cuts - er fokussiert, zitiert und isoliert. Das Bild wird geschminkt, in Pose gerückt, es wird zitier- und salonfähig gemacht. Transformation des Privaten in öffentliche Schau.

NAKED (salonfähig) - Was ist Aktfotografie anderes als Vertiefung von Oberflächen? Cuts, Hubschrauberbilder, Blickfassaden, Häuserschluchten, gefaltete, aufgeklappte Körpertiefen. Spiegelnde Gebäudeflanken im gleißenden Licht. Irgendwo läuft alles zusammen. Flirrende Strukturen, zerkratzte Blicke, stürzende Fassaden - ein schönes Gesicht!

NAKED - das Wort zieht tausend Blicke auf sich. Der Reiz des Nackten ist immer stärker als die Scham, sich zu entblößen.

NAKED (Schluss) - Der Tod ist schamlos, beachtet keine Scham, er kommt und geht, wie und wann er will. Ein Yorick in der Hand - ist besser als eine Taube auf dem Dach. Grenzverletzung, Assoziationssprung, Anordnungsaufstörung.

NAKED - An einem Sommertag im Central Park unter einem Baum liegen, die Bluse und das Hemd öffnen und mit dem Wind in die Ferne schweifen, so nah die Kamera auch sein mag

[AUSSTELLUNSGTEXT / 2011]