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Ekaterina Moré

FEMMES FATALES

über die Femininen-Malerei von Ekaterina Moré


Mit wenigen Strichen erfasst die Düsseldorfer Künstlerin Ekaterina Moré ein feminines Gesicht, eine devote Geste, einen tiefen Augenaufschlag, eine aufreizende Pose. Alles läuft rund in ihren Bildern von verführerischen jungen Frauen, die Farben sind sorgfältig gewählt, sie erzeugen Tiefe und Kontrast. Eine entblößende Sicht auf das Persönliche ist zurückgenommen, nichts drängt sich übermäßig auf. Und doch weist jede Figur typische Merkmale des Sinnlichen auf.

Egal ob die Künstlerin selbstbewusste Frauen im Stil der 20er Jahre, extravagante Revuegirls oder fesche Models malt – ihre Bilder schwelgen in einer Sinnlichkeit, in der Stil und Genre perfekt aufeinander abgestimmt sind. Motiv und Situation finden anspielungsreich zueinander. Sogar vor realen Pin-Up-Girls macht die Künstlerin nicht Halt. Sie löst die Porträtierten von der fotografischen Vorlage, ohne diese zu negieren, und ordnet sie im Bildraum neu an. Die fotografische Verführung wird ins gemalte Bild transponiert. Der Betrachter ist augenblicklich getroffen von einer malerischen Offensive, deren visuelle Textur die Sinne berührt.

Morés Malstil deutet dabei immer nur an, die Hände der Frauen sind nicht ausgearbeitet. Lediglich die Augen funkeln wie geschliffene Diamanten, bei ihnen geht die Künstlerin detailreich in die Tiefe. Gleichzeitig wird jede Geste, jede Pose, jede Form der Eleganz mit nur wenigen Strichen lebendig. Die Kompositionen sind perfekt ausbalanciert: Hintergrund, Dekor, Accessoires, Schmuck und Garderobe sind sorgfältig ausgewählt und verschmelzen mit der Stimmung des jeweiligen Ortes. Eine klare schwarze Kontur gibt den Körpern Form und Halt, sie ist fester Bestandteil eines jeden Porträts. Sie erzeugt Tiefe, Proportion und räumliche Harmonie, in der Stolz, Erotik und eine feminine Körpersprache zum Ausdruck kommen.

Immer wieder diese Augen: sie führen ein Eigenleben, sie blitzen, sie locken, sie versprühen Glanz. Sie treffen immerfort ins Schwarze der Sehnsucht! Die Brüste der Frauen, ob verhüllt oder nackt, sind weder keusch, noch allzu aufdringlich. Sie sind annähernd gleich groß oder gleich klein, sie sind straff und passen sich dennoch jeder Umgebung an. Diese Bilder sind eine einzige Verlockungslinie des Lasziven. Die Münder sind rot, rund und vulkanisch wie bei Vamps im Film Noir. Es gibt keine unvorteilhaften Körperstellen, keinen Leberfleck. Aber wofür steht diese Form der idealen Schönheit, was ist ihre Intention? Geht es nur um Wohlgefallen?

Das Provokante an diesen Bildern ist nicht allein der Umstand, dass der Betrachter auf eine künstlerisch stilisierte Form der Erotik anspringt, sondern dass er sich betören und verführen lässt von einer makellosen Welt des immer gleichen, wiederkehrenden Schönheitsideals. Im Gestus der Werbung und der Beauty- und Modeschriften wirkt ein Traumbild auf ihn ein, das seine Sehnsucht weckt. Diese Figuren, die sich je nach Zeitkolorit und Ort in ein Genre der Verführung verwandeln, sind wie flüsternde, singende Sirenen auf einem Meeresfelsen. Sie locken den Betrachter und ziehen ihn auf betörende Weise in den Bann. Der Betrachter ahnt nicht, wie ihm geschieht, er fühlt sich unermesslich hingezogen. Gleichzeitig verkennt er die Gefahr des verschlingenden Meeresschaums.    

[WERKTEXT / MAI. 2016]